Workcamp in Chiapas

Ich hatte mich bei den Pfadfindern engagiert, bin Multiplikator in der Jugendarbeit gewesen und konnte mit meinen Bruder Andreas an einer Reise nach Mexiko teilnehmen. Nie vergesse ich, wie mein Bruder sein ganzes Leben davon geschwärmt hat. Er hat Selb nie verlassen, damals hätten wir die Grundlagen gelegt.

Die Jugendgemeinschaftsdienste haben die Reise als Workcamp ausgeschrieben. Wir sollten für die Indios ein Gemeindezentrum mit Apotheke in San Christobal de Allende aufbauen. Es ist in der Diozöse des kämpferischen Bischofs Samuel Ruiz von San Christobal de las Casas gelegen und die Begegnung mit ihm, die Diskussionen haben in mir viel bewegt.

Damals schlief ich mit 20 Leuten in einen Saal auf dem Boden, wir haben gemeinsam gekocht, im Pfarrhaus gelebt und am Abend sind die Indios gekommen. Wir haben uns gefragt, dürfen wir seelenruhig Cola trinken, welches einen Tageslohn kostet. Wir haben uns gefragt, warum die Mestizen den Indios feindselig gegenüber stehen. Ich bin auf der Reise während der Arbeit erkrankt. Die körperlich schwere Arbeit hatte ich nicht verkraftet und für das Einrichten der Apotheke hatten wir Spezialisten. Obwohl mich der Durchfall nervte, versicherte mir eine Mitreisende das Verstopfung noch viel schlimmer sein kann, doch gehen wir zu den freudigen Dingen. Ich hatte viele schöne Begegnungen im Ort.

Nach den 14 Tagen im Arbeitseinsatz konnte jeder einige Tage selber gestalten. Im Vorfeld hatte ich Kontakte mit Ruth Martinez geknüpft aus einer wohlhabenden Familie in Oaxaca. Der Vater Direktor der Telefonfirma, der Onkel Rektor der Hochschule, welcher meine Bitte weitergeleitet hatte. Nach meiner Ankunft sind wir mit den Bruder und Freunden losgezogen und haben bei McDonalds sicher zwei Monatslöhne der Campesinos ausgegeben und den Sonnenuntergang bewundert.

Wir hatten eine schöne Zeit, eine Sehnsucht nach Amerika, nach Freiheit und Entfaltung. Ich hatte viele Freude an den Filmen, wo ein Verwandter die Hauptrolle spielte und habe zum Abschied meine Gitarre geschenkt. Wir hatten noch einige Jahre Kontakt, Ruth emigrierte wie ihr Bruder in die USA, wahrscheinlich durch Hochschulkontakte. Ich glaube nicht durch einen illegalen Grenzübergang. Ihre soziale Position in Mexiko wäre vielleicht besser, aber … wollten sie das?